Feldpost im Zweiten Weltkrieg
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(Richard Göbel, ca. 1943)

Thomas Göbel

Wer war Richard Göbel?

Der Enkel rekontruiert das Leben seines Großvaters, den er nie kennengelernt hatte, anhand von Lebenszeugnissen und Zeitzeugen. Wer kann helfen?

Das Leben meines Großvaters Richard Göbel wurde am 27.4.1945 durch eine russische Artilleriegranate beendet. Einen Tag nach seinem 32. Geburtstag ist er in den letzten Kämpfen des Zweiten Weltkrieges im Stadtzentrum Berlins - am großen Zoo-Bunker im Tiergarten / Zoologischen Garten - noch gefallen. Im Jahr 2003 habe ich mich mit den Informationen, der an seine Eltern geschriebenen und erhaltenen Briefe, auf Spurensuche begeben. Ziel war und ist die Rekonstruktion seines Lebens. Vieles ist von ihm leider nicht erhalten geblieben: Eine Sammlung Feldpostbriefe, ein paar Fotos, eine Taschenbibel (anhand der seine Leiche 1946 identifiziert wurde), einige Bücher.

Richard Göbel wurde am 26.4.1913 in Oberhausen geboren. Nach Schule und Abitur begann er 1934 mit dem Studium der evangelischen Theologie in Münster, Marburg und Bethel. Schon früh kam er als Anhänger der Bekennenden Kirche mit dem Regime in Gewissenskonflikt. Nach herablassenden Äußerungen über den Chefideologen der NSDAP Alfred Rosenberg und Hitler wurde er 1938 zu einer Haftstrafe verurteilt. Sein Studium konnte er daraufhin an staatlichen Hochschulen nicht weiter fortsetzen. Er hat im Untergrund in Berlin und Wuppertal an den privaten Kirchlichen Hochschulen noch 1940 versucht, sein Examen zu machen. Eine Beendigung war nicht mehr möglich. Es folgte der Einzug zur Luftwaffe.

Ab Mitte 1940 Flaksoldat, zunächst in Hannover, Sylt und Bremen. 1942 Verlegung nach Nürnberg, im Frühjahr 1944 nach Bayreuth. Von dort mit einem Sonderstab nach Ostpreußen und im Herbst 1944 nach Brüx ins Sudetenland. Anfang Januar 1945 Versetzung von der Luftwaffe zur Festungs-PAK Ausbildungs- und Ersatzeinheit 101 nach Munster/Fallingbostel. Im Februar 1945 von Munster nach Berlin. Dort Stationierung in Treptow und Buckow, gefallen am 27.4.1945 im Zentrum von Berlin.

Es ist mir seit Beginn der Recherchen gelungen, einige Zeitzeugen ausfindig zu machen, die mir über meinen Großvater berichten konnten. Das hat damit zu tun, dass er als Angehöriger verschiedener 8,8cm Flak-Batterien ab 1943 Kontakt zu sogenannten Luftwaffenhelfern (LwH) hatte. Die damals 16- und 17-jährigen leben zum Teil heute noch, einzelne können sich noch recht gut an Details erinnern. Es ist mir gelungen neben diesen Zeitzeugenberichten noch Bilder zu bekommen, einen handschriftlichen Brief meines Großvaters an einen damaligen LwH, den dieser 60 Jahre gut aufbewahrt hat, Tagebucheinsichten zu erhalten. Stellvertretend zwei Zitate:

Dr. Ernst P.:"Ihr Großvater ist mir zum ersten Mal im Frühjahr 1944 begegnet. Nach meiner Erinnerung war er Geschützführer. Im Unteroffizierskorps war er eine Ausnahmeerscheinung und unterschied sich wohltuend von seinen Kollegen, die mehrheitlich meinten, sie müssten die ihnen gegebene Macht an den Gymnasiasten demonstrieren. Uns Jugendlichen gegenüber war ihr Großvater verständnisvoll, wohlwollend und gütig. Man hat gespürt, dass er nicht Hitler, sondern einem anderen dient. Dies hat auf uns positiv gewirkt, hat es uns doch gezeigt, dass es in unserem Land auch Menschen gibt, die nicht hinter der Hakenkreuzfahne herlaufen. Die Mehrheit meiner LwH-Kameraden waren sicher keine Anhänger der braunen Machthaber, gerade bedingt durch die uns offensichtliche Befreiung der Hitlerjugendführer vom LwH-Dienst."

Dr. Franz K.: "Wir besitzen nur ein winziges, unscharfes und schlecht belichtetes Foto von unserer Abschiedsfeier mit Uffz. Göbel. Ihr Großvater hatte eine dabei entstandene, auch für ihn schwerwiegende Überschreitung des Zapfenstreiches uns zuliebe in Kauf genommen. Mit dem Namen Uffz. Göbel sehe ich vor mir noch seine Gestalt. Mehr aber spürend einen Schimmer seines liebenswert gütig hilfsbereit trostbringenden Wesens, Ruhe und Innerlichkeit ausstrahlend in verworrener, todbringender Zeit. Göbel, unser väterlicher Freund, an den wir uns stets dankbar erinnern!"

Die Schwierigkeit bestand zunächst darin, anhand der vorliegenden Feldpostnummern die zugehörigen Einheiten herauszufinden. Danach Schulen zu finden, deren ehemalige Schüler in Flakabteilungen bzw. Flakbatterien eingesetzt waren, in denen auch mein Großvater gedient hat. Ermittlung noch lebender ehemaliger Gymnasiasten und Oberschüler anhand von Klassenlisten etc. Ein zeitaufwändiges Unterfangen, das sich in meinem Fall gelohnt hat. Ich suche weiter…

Ich suche ehemalige Soldaten, Luftwaffenhelfer, Angehörige noch lebender oder schon verstorbener Soldaten folgender Einheiten:

FPN Einheit Ort Zeitraum
L28972
Erkennungsmarke
Luftwaffenbaukompanie 59/XI
"-306- Lw. Bau Kp. 59/XI"
Munster 1940
Flak Ersatzabteilung 6 Hannover-Bothfeld 1940
L03787 3./111 (Reserveflakabteilung) Sylt und Bremen 1941
L53357 3./634 und 6./634 Nürnberg 1942 - 1944
6217 z.b.V. Bayreuth 1944
L50911 ? ggf. Stab Flakabteilung 685 Bayreuth 1944
? Sonderstab Banse Kauen / Kowno Kauen, Tilsit 1944
L53529 Schwere Flakbatterie z.b.V. 10938 Brüx 1944
L63933 7./693 Brüx 1944
Festungs-PAK A.u.E. 101 "Spernat" Fallingbostel/Munster 1945
Festungs-PAK A.u.E. 101 "Spernat" Berlin/Treptow
Heereswaffenmeisterschule

Soldaten, mit denen mein Großvater Kontakt hatte:

Dienstgrad Name Ort Zeitraum
Hauptmann Kolb Bremen, Nürnberg 1941 -1943
Oberleutnant Wendik (3./111) Sylt, Bremen 1941
Unteroffizier Mockenhaupt (hat den Krieg überlebt) Nürnberg, Bayreuth, Brüx 1942 -1944
Unteroffizier Leidenfrost (vermutlich gefallen) Nürnberg, Bayreuth 1942 -1944
Hauptmann Behring (gebürtig aus Pommern, hat überlebt) Nürnberg 1943
Hauptmann Förtsch Nürnberg 1942
Leutnant Böhme, Joachim (1945 in Nürnberg gefallen) Nürnberg 1942 - 1944
Major Bosenecker (Kommandeur) Nürnberg 1942 - 1943
Leutnant von Kornatzki Nürnberg 1943
General Gustav Banse Ostpreußen 1944
Hauptmann (?) Spernat Berlin 1945

Außerdem ehemalige Luftwaffenhelfer aus Pfarrkirchen, Nürnberg, Amberg und Schwabach, die in Nürnberg und Bayreuth eingesetzt waren. Ferner Schüler der Flak, die in Brüx zum Schutz des Hydrierwerks Oberleutensdorf/Maltheuern stationiert waren.

Wer Hinweise hat, richtet diese bitte an: richard@tom-goebel.de